Quelle: Medical Tribune ‱ November2003

 

Laufen fĂŒr ein langes Leben?

Jeder zweite Jogger riskiert Kopf und Kragen
BERLIN − Seit ĂŒber 20 Jahren wird den Menschen eingehĂ€mmert, dass Bewegung gut tut und gesund ist. Die Praxis aber sieht anders aus: Fast jeder zweite Jogger gefĂ€hrdet seine Gesundheit.
Höchstleistung auf Biegen und Brechen statt Freude an der Bewegung? Fast jeder zweite Jogger trainiert im "kritischen Laktat-Bereich", ergab eine Untersuchung der Deutschen Sporthochschule Köln, die der AOK-Bundesverband initiiert hat. Die damit einhergehende ÜbersĂ€uerung der Muskeln ist zwar fĂŒr Kerngesunde keine Gefahr. Doch das Verletzungsrisiko steigt infolge von Koordinierungsstörungen, und die freigesetzten Stresshormone belasten den Körper. Bei Herz-Rhythmus-Störungen kann solche Überforderung sogar lebensgefĂ€hrlich werden.


Gruppenlaufen kritischer
In der vorliegenden Studie erfassten Mediziner und Psychologen nicht nur die Laktatwerte von mehr als 300 Joggern sondern zudem deren Trainingskonzept, -motivation, und -verhalten. Das Ergebnis: LaufanfĂ€nger hatten hĂ€ufiger kritische Werte als Fortgeschrittene. Das Laktatniveau fĂŒr Einzel- und Gruppen- lĂ€ufer war beim zweiten Teil der Untersuchung fast identisch, im ersten Teil (kaum AnfĂ€nger) lagen jedoch die GruppenlĂ€ufer hĂ€ufiger im kritischen Bereich. Insgesamt tendierten LĂ€ufer mit ungĂŒnstigen Laktatwerten eher zu einem anstrengungsorientierten Trainingskonzept: Sie wollten sich richtig verausgaben bzw. an ihre Grenzen gehen


Richtige Technik: 3 Jahre lÀngeres Leben
Die Schlussfolgerung "Sport ist Mord" wÀre jedoch falsch. Laufen ist und bleibt gesund, betonten der Psychologe Professor HENNING ALLMER und der Arzt Professor Dr. HANS GEORG PREDEL von der Kölner Sporthochschule auf einer Pressekonferenz. Nach Untersuchungen kann ein 30-JÀhriger mit kontinuierlichem Lauftraining seine Lebenserwartung um etwa drei Jahre steigern. Aber es muss richtig gemacht werden.
Vor allem AnfĂ€nger brauchen Anleitung und Beratung und ggfs. eine medizinische Grunduntersuchung vor Beginn ihrer Fitness - Karriere, sowie regelmĂ€ĂŸige Kontrollen. In GesprĂ€chen sollte man als Arzt immer darauf hinweisen, dass nicht "Laufen bis zum Limit" das Ziel ist, sondern Wechsel zwischen hoher und niedriger Belastung.
Bei Körpersymptomen wie Seitenstechen, Pulsrasen, MuskelkrĂ€mpfen und Kreislaufproblemen sind Pausen, Gehstrecken bzw. eine Reduzierung des Tempos angezeigt. GruppenlĂ€ufe bergen die Gefahr, dass Personen, die noch nicht so fit sind, verfĂŒhrt werden, die vor Überforderung warnenden Körpersignale zu ignorieren, weil sie unbedingt mithalten wollen. Es kann deshalb sinnvoller sein, (zunĂ€chst) allein zu trainieren.